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Kaum betritt Rottweiler-Hündin "Antje" das Zimmer, geht ein Strahlen über das Gesicht der fast 100-jährigen Dame, die fein gekleidet und frisiert im Rollstuhl sitzt. "Die Antje ist unsere Beste", freut sie sich und krault die Hündin. "Was hast Du für schöne Zähne?", scherzt sie mit dem Tier. "Welche Zahncreme nimmst Du?" Da muss auch Hundebesitzerin Christa Finkl lachen. Sie kennt die ältere Dame seit nunmehr drei Jahren. So lange besucht sie mit ihrer Antje jeden Dienstag die Bewohner der Altenpflegeeinrichtung "Sophienhaus Bethanien" in Berlin.
Christa Finkl ist Mitglied im Berliner Verein "Hunde im Sozialdienst e. V." Der gemeinnützige Verein wurde im Jahr 2000 gegründet, um bedürftige Menschen mit Tieren in Berührung zu bringen und so die Lebensfreude zu steigern. Mit ihren Hunden besuchen 90 ehrenamtliche Mitglieder insgesamt 60 Seniorenheime, Behinderteneinrichtungen und Schulen in Berlin und Umgebung.
Ein Hundebesuch hat viele positive Effekte. Nachweislich sinken beim Streicheln eines vertrauten Tieres der Blutdruck und der Kreislauf wird stabilisiert. Der Besuch auf vier Pfoten bringt außerdem Abwechslung und Freude in den Heimalltag. Die Regelmäßigkeit ist ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs: Die Besuche finden jede Woche am gleichen Tag statt.
Die Pflegedienstleiterin des Sophienhauses Bethanien, Cornelia Clauß, unterstützt den Hundebesuch: "Wir machen durchweg gute Erfahrungen." Viele Bewohner hatten früher selbst einen Hund. "Sie freuen sich, wenn der Hund sitzen bleibt und sich streicheln lässt."
Der Hundebesuch sorgt auch für neuen Gesprächsstoff. Im Aufenthaltsraum, in dem einige Heimbewohner um einen Tisch versammelt sind, wird Antje freudig begrüßt. "Da kommt ja unser Streichelhund." Ganz brav geht die Hündin mit ihrem Frauchen von Stuhl zu Stuhl, um alle zu begrüßen. "Meine Tochter hatte auch so einen", erinnert sich eine Bewohnerin. Für Christa Finkl ist das eine sehr typische Situation: Viele erzählen im Kontakt mit dem Hund von früheren Zeiten, von ihren Hunden oder den Hunden, die sie kannten.
Die 7-jährige Hündin Antje lässt sich von allen berühren. Sie schreckt nicht vor Rollstühlen, Gehhilfen oder ungelenken Berührungen zurück. Das ist nicht für jeden Hund selbstverständlich. Um als Therapiehund im Verein "Hunde im Sozialdienst e. V." eingesetzt zu werden, muss deshalb jeder Hund zwei Prüfungen bestehen.
In einem "Wesenstest" wird kontrolliert, ob der Hund gehorcht und sich anfassen lässt. Er darf nicht aggressiv oder schreckhaft sein. Besteht der Hund diesen Prüfungsteil, dann kommt der Praxistest: ein Besuch in einem Heim. Dort wird beobachtet, wie das Gespann aus Mensch und Tier auf die Heimbewohner eingeht. Herrchen oder Frauchen spielen dabei eine wichtige Rolle, denn der Hund kann bei den Bewohnern viele Emotionen auslösen. Plötzlich fangen Menschen an zu sprechen, die seit Wochen kein Wort mehr gesagt haben. Der Hundebesitzer muss deshalb auch kommunikativ und einfühlsam sein.
Die positive Wirkung des Hundebesuchs spricht sich herum. Es gibt häufig mehr Nachfragen als aktive Mitglieder in den Vereinen. Sie möchten sich engagieren? Bestimmt gibt es auch in Ihrer Nähe eine Möglichkeit. Am einfachsten finden Sie einen Verein über das Internet, eine Hundeschule oder das Tierheim vor Ort.
In Deutschland gibt es zahlreiche Vereine für Menschen mit Hund. Jeder Verein hat etwas andere Aufnahmekriterien. Bei "Hunde im Sozialdienst e. V." aus Berlin gelten folgende Anforderungen an den Hund:
Weitere Infos zum Thema:
www.hundeimsozialdienstev.de
Telefon: 030 4044737