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In den turbulenten Zeiten der Finanzkrise bei den Banken erleben die Landwirte eine konjunkturelle Delle auf den Märkten u.a. auch für Milch. Wir hoffen auf eine kurzfristige Phase der abgebremsten Nachfrage bei unveränderter Produktion. Der Betriebsgrößenstrukturwandel verläuft stetig. Die unternehmerisch denkenden Betriebsleiter meistern dies, in dem sie ihre Kosten in Relation zu den Leistungen optimieren. Investitionen tätigen in Technologien, wie Biotechnik und Genetik, Automatisierung von Stall-, Melk- und Fütterungssystemen die ideale Bedingungen für das Tier schaffen; sowie durch vermehrte Flexibilität beim Einsatz von Arbeit und Eigenkapital und nicht zuletzt durch Weiterentwicklung des Informationsnetzwerkes.
Die Diskussion zwischen Wissenschaft und Praxis steht auch in diesem Jahr wieder im Mittelpunkt des 5. Rinderworkshops, der am 17. und 18. Februar 2009 in Uelzen unter der Federführung von Professor Dr. Dr. h.c. mult. Ernst Kalm von der Kieler Christian-Albrechts-Universität, der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde und der Uelzener Versicherung veranstaltet wird.
Diese Möglichkeit wurde von gut 120 Teilnehmern aus Wissenschaft, Ministerien, Zucht- und Besamungsorganisationen, Beratung sowie der Praxis ausgiebig genutzt. In 23 Vorträgen zu ökonomischen und organisatorischen Entwicklungen, Züchtungsfragen, Sicherung der Gesundheit, Neuausrichtung der Züchtung sowie Biotechnologie und Fruchtbarkeit wurden wesentliche, die Milchviehhaltung betreffenden Themenbereiche umfassend bearbeitet.
Einige Schwerpunkte waren zum Beispiel die Sicherung der Gesundheit: Die Blauzungenkrankheit hat zu erheblichen Belastungen bei den Zuchtbetrieben geführt. Die aktuelle Situation mit den möglichen Bekämpfungsstrategien wurde intensiv herausgearbeitet, besonders die verschiedenen Serotypen gestalten die Vorsorge schwieriger. Mit der Paratuberkulose leben die Rinderhalter in Deutschland schon seit einigen Jahren, doch da eine Zunahme dieser Krankheit sich abzeichnet müssen klare Diagnoseregeln und die Einflussfaktoren zur Verfügung stehen. Erste Erfahrungen aus Wissenschaft und Praxis wurden vorgestellt, so dass daraus ein Konzept für die Zukunft erarbeitet werden kann.
Die Ausbreitung der Blauzungenkrankheit im Jahre 2008 hat u.a. gezeigt wie wichtig in der Rinderhaltung das Risikomanagement für Zucht- und Produktionsbetriebe ist. An Beispielen wurden die aktuellen Risiken in der Rinderhaltung aufgezeigt und mit Hilfe eines Risikomanagements lassen sich erfolgreiche Ansätze für die Minimierung des Risikos aus einzelbetrieblicher Sicht ableiten.
Mit der genomischen Selektion steht der Rinderzucht ein neues Instrument zur Verfügung, dass deutliche Zugewinne im genetischen Fortschritt verspricht. Die Implementierung dieser neuen Technik befindet sich in der Startphase. Umfassende wissenschaftliche Studien sind unabdingbar, um alle sich bietenden Möglichkeiten auszuloten. Die Praxis und die Wissenschaft ist hier gefordert, gemeinsam neue Konzepte zu entwickeln, um die Vorteile, die Risiken und die Konsequenzen abzuwägen.
Weltweit wird das Sexen von Bullensperma nicht nur diskutiert sondern auch in einigen Ländern erfolgreich praktiziert. Seit 2001 steht eine zeitaufwendige und anspruchsvolle Sortiertechnik für Bullensperma zur Verfügung. Forschungsergebnisse zur Optimierung des Verfahrens wurden vorgestellt. Die Erfahrungen einer erfolgreichen praktischen Anwendung von gesextem Bullensperma in Dänemark führten zu intensiven Diskussionen.
Der Workshop lieferte wertvolle Hinweise und Erkenntnisse und zeigt Perspektiven für die deutsche Rinderzucht, wie die Herausforderungen durch die sich ändernden wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen erfolgreich bewältigt werden können.
Der Tagungsband (Heft 53) kann bei der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde e.V. (DGfZ), Adenauerallee 174, 53113 Bonn, Fax: 0228-9144766, email: info(at)dgfz-bonn.de für 10,- Euro angefordert werden.