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Führtraining am Boden - Im Gleichschritt marsch!

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Ein Pferd führen, das klingt erst einmal ganz einfach. Doch nicht jedes Pferd folgt einem auf Schritt und Tritt! Hier finden Sie Tipps, wie Sie die Führungsrolle übernehmen können.

Manche haben vielleicht das Glück, dass ihnen ihr Pferd auf Schritt und Tritt folgt, ohne dass sie dafür viel Training absolvieren müssen. Andere haben’s schwer: Das Pferd läuft weiter, obwohl man stehenbleibt, es rempelt einen an, beißt in den Führstrick oder Zügel, kommt nicht vom Fleck, lässt sich mühevoll um jeden einzelnen Schritt bitten. Da macht schon das Führen von der Wiese zum Putzplatz oder später vom Putzplatz zur Reitbahn absolut keinen Spaß.

Die Vertrauensfrage

In der Beziehung zwischen Pferd und Mensch kann nur einer von beiden der Ranghöhere sein – das ist mehr oder weniger die Kernforderung, die sich nicht nur auf den Umgang mit dem Pferd generell und das Reiten, sondern speziell auch auf das Führen bezieht. „Der Mensch bestimmt den Weg“, fasst es die Pferdewirtschaftsmeisterin Waltraud Böhmke zusammen. Sie hat sich seit Jahren dafür eingesetzt, dass in der Berufsreiter-Ausbildung die Basis-Bodenarbeit ihren Platz findet und ist Mitglied im FN-Arbeitskreis Bodenarbeit. „Im Ergebnis lässt sich ein Pferd dann führen, wenn es den Menschen als Ranghöheren akzeptiert und ihm damit auch vertraut und folgt“, sagt die Ausbilderin. Doch wie bringe ich dem Pferd bei, dass es sich von mir führen lässt?

Dreimal „K“: Kompetenz, Konzentration, Konsequenz

Die meisten Probleme beim Führen von Pferden entstehen aus Unwissenheit oder Unachtsamkeit. „Der Mensch findet immer wieder Entschuldigungen, warum es beim Führen diesmal nicht so funktioniert hat oder warum er sein Pferd erst gar nicht selbst zur Weide führt, sondern dies jemand anderem überlässt“, beschreibt Böhmke ihren Alltag mit Pferdehaltern, den sie gemeinsam mit ihrer Tochter Carolin im niedersächsischen Belum bei Cuxhaven erlebt. „Wenn man aber eine klare Vorstellung davon hat, was man möchte, und diese konsequent verfolgt, dann klappt das auch!“, ist sich die Expertin sicher, die in vielen Kursen und Seminaren anderen Pferdehaltern beibringt, wie man Bodenarbeit sinnvoll gestaltet.

Es fängt schon an mit der Körperhaltung und -sprache: Der Mensch sollte sich beim Führen stets so positionieren, dass er das Pferd noch im Augenwinkel beobachen kann – Kopf des Pferdes ungefähr auf Schulterhöhe des Menschen. So sieht der Mensch, ob das Pferd aufmerksam ist, kann am Ohrenspiel ablesen, ob das Pferd sich auf den Menschen konzentriert oder seine Aufmerksamkeit beispielsweise schon lange zu der Stute der Nachbarherde abgewandert ist.

Man sollte schon jungen Pferden das Führen konsequent beibringen und sie lehren, die Körpersprache des Menschen zu verstehen: Geht der Mensch vorwärts, soll das Pferd folgen (nicht überholen!), bleibt er stehen, soll das Pferd ebenfalls stehenbleiben. Wendet der Mensch, folgt das Pferd. Soweit die Theorie.

Viele Menschen widmen der Erziehung vom Boden aus allerdings nicht genügend Aufmerksamkeit, „es wird auch heutzutage weniger gelehrt“, stellt Böhmke fest. Statt das Pferd zu „lesen“ wird erwartet, dass der Vierbeiner Gedanken lesen kann und brav tut, was man sich vorstellt. Allein durch Konzentration auf das, was man tut, gepaart mit konsequenter Erziehung beim Führen lassen sich fast alle Führungsdiskussion zwischen Mensch und Pferd verhindern. Und das ist wichtig – nicht nur, weil ziehende oder schleichende Pferde einem auf die Nerven gehen, sondern weil es auch gefährlich werden kann, wenn das Pferd nicht das macht, was der Mensch von ihm erwartet, ihm plötzlich in die Hacken springt oder zur Seite ausweicht und so fort.

Schritt für Schritt – so klappt’s mit dem Führen

Der wichtigste Grundsatz beim Führtraining ist die positive Verstärkung von erwünschtem Verhalten. Wenn Sie Probleme mit dem Führen haben, suchen Sie sich zunächst einen ruhigen Ort, wo möglichst keine Ablenkung droht. So gelingt es am besten, sich voll und ganz auf das Pferd zu konzentrieren – und umgekehrt das Pferd auch auf sich.

Die meisten Pferde sind es gewohnt, von links geführt zu werden – es ist aber Übungssache, ob man von links oder rechts führt. Gerade bei problematischen Pferden allerdings ist es ratsamer, zunächst von links, also mit der rechten Hand, zu führen, besonders wenn man Rechtshänder ist.

Wenn Sie das Pferd am Halfter führen, gehen Sie ein paar Schritt und halten Sie wieder an, eine Stimmhilfe, zum Beispiel „Hooo“ oder „Haaaalt“ ist sehr hilfreich. Falls Sie ein sehr eifriges Pferd haben: Nutzen Sie Ihren Körper. Richten Sie sich auf, wenn Sie anhalten wollen, touchieren Sie das Pferd eventuell mit der Hand oder einer kleinen Gerte an der Brust oder am Buggelenk, damit es stehen bleibt.

Wenn Ihr Pferd eher zu den gemütlichen Kandidaten gehört und sich zu sehr „bitten lässt“, nehmen Sie eine längere Gerte in die Hand, mit der Sie dem Pferd auf die Sitzbeinhöcker oder tiefer am Hinterbein leichte Impulse geben können, sodass es fleißiger schreitet. „Auch ein Leitseil kann hilfreich sein, mit dessen Hilfe Sie das Pferd hinter sich touchieren“, weiß Waltraud Böhmke aus jahrelanger Erfahrung. Verwenden Sie auch hier eine Stimmhilfe zur Unterstützung, beispielsweise „komm“. Achten Sie darauf, nicht dauerhaft am Strick oder Zügel zu ziehen – durch Druck entsteht Gegendruck. „Zupfen“ Sie lieber mehrfach am Strick oder Zügel. Und vergessen Sie auch hier das Loben nicht, wenn das Pferd korrekt reagiert!

Konzentrieren Sie sich darauf, dass Sie Ihr Pferd langfristig stets an einem leicht durchhängenden Strick oder Zügel führen und sorgen Sie konsequent dafür, dass das Pferd nicht am Strick oder Zügel knabbert. Auch hier: Loben Sie erwünschtes Verhalten und trainieren Sie es, bis es selbstverständlich ist.

Das Führen auf Trense ist vor dem Reiten üblich – diese Pferde haben aber meist auch schon Führtraining hinter sich. Denn die Trense birgt gerade beim Lernen die Gefahr, dass man das Pferd bei unachtsamen Bewegungen oder wenn es gar zur Seite springt, im Maul verletzt.

Checkliste Führtraining

  • Führtraining kann früh, sogar schon im Fohlenalter begonnen werden.
  • Kompetenz, Konzentration und Konsequenz sind die wichtigsten Bestandteile des Trainings.
  • Die Arbeit mit positiver Verstärkung bringt relativ schnelle Erfolge.
  • Training sollte am Halfter oder Knotenhalfter erfolgen, weil das Führen mit Trense Verletzungsgefahren birgt.

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Kommentare


  • Ein Pferd richtig führen heißt für mich, es so zu führen, dass es willig mitgeht und ich es in kritischen Situationen kontrollieren kann. Und weil viele Unfälle beim Führen eines Pferdes passieren, gehört für mich auch ein Maximum an Sicherheit dazu. Man muss also wissen was man tut bzw. was man tun muss.

    Nach meiner Erfahrung als Pferdewirt, Ausbilder und Stallbetreiber wissen die wenigsten Reiter, wie man an ein Pferd herangeht, so dass es einem folgt - auch wenn man das Pferd zum ersten mal in der Hand hat.

    Gutes und sicheres Führen hat viel mit richtiger Technik zu tun. Bei der Bodenarbeit hingegen geht es mehr darum, dem Pferd ein Verhalten anzutrainieren. In kritischen Situationen reicht das nicht, um ein Pferd unter Kontrolle zu halten. Was mache ich anders? Ich habe in meiner Ausbildung vor fast 40 Jahren ganz nebenbei gelernt, wie man unfallfrei Pferde führt. Bodenarbeit gabs damals nicht. Wer sehen will, wie man das füher gemacht hat, der sieht sich am besten alte Filmaufnahmen z. B. aus den ehemaligen Zuchtgebieten und Gestüten an.


  • Hallo Georg,
    vielen Dank für deinen Kommentar zu unserem Beitrag und deine wertvolle Einschätzung. Jedoch nur, weil es damals keine Bodenarbeit gab, muss das heute ja nicht schlecht sein. :)
    Super, dass du auch ohne Bodenarbeit weißt wie du ein Pferd zu führen hast.
    Viele Grüße, das Redaktionsteam der Uelzener

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