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Gähn! Der Sinn des Gähnens


Über das Gähnen beim Menschen gibt es verschiedene Theorien: Lange hieß es, dass Gähnen bei Sauerstoffmangel im Gehirn helfen könne. Das wurde inzwischen von der Forschung widerlegt, ebenso, dass Gähnen einen müden Menschen wacher macht. Allerdings gähnen wir besonders dann, wenn etwas eintönig oder schlichtweg langweilig ist. Einige Forscher vermuten, dass Gähnen die Aufmerksamkeit im Gehirn steigert. Denn Gähnen könnte einen Kühleffekt auf das Gehirn haben, wie es bei Ratten nachgewiesen wurde: Sobald die Temperatur im Gehirn sich geringfügig erhöht, arbeitet es nicht mehr unter idealen Bedingungen. Durch das Gähnen, sinkt die Temperatur des Blutes und kühlt so das Gehirn. Das würde erklären, warum es bei Gähn-Attacken hilft, das Fenster aufzumachen (Kühlung durch kalte Luft) und warum man bei Stress ebenfalls viel gähnt (das Gehirn macht sich fit für die bevorstehende Herausforderung).

Des Weiteren ist noch nicht ganz klar, warum Gähnen ansteckend ist. Hier gibt es eine andere Hypothese: Forscher beobachteten verschiedene Tierarten beim Gähnen und stellten fest, dass die einzelnen Tiere sich umso mehr vom Gähnen der anderen anstecken ließen, je näher sie ihnen emotional standen. Das Gähnen war hier also offenbar eine soziale Tätigkeit, die mit der sozialen Nähe der einzelnen Gruppenmitglieder untereinander zusammen hing. Gleiches konnten Forscher auch bei Menschen beobachten: Je näher sie sich standen, desto mehr wurde kollektiv gegähnt. Auch Herrchen und Hund können sich gegenseitig damit anstecken. Andererseits lassen sich zum Beispiel Autisten nicht vom Gähnen anderer anstecken und auch Menschen, die sich schlecht in andere hineinversetzen können, gähnen seltener mit als empathische Menschen.

Hunde lassen sich vom Gähnen „ihrer“ Menschen anstecken, deutlich mehr als von fremden Menschen. Das wurde inzwischen in einer Studie nachgewiesen. Mittlerweile scheint klar zu sein, dass auch hier das Mitgähnen ein Ausdruck emotionaler Nähe ist. Anders sieht es aus, wenn Hunde in bestimmten Situationen gähnen, zum Beispiel beim Zusammentreffen mit Artgenossen. Hier wird von einigen Hundeexperten die Auffassung vertreten, dass es sich beim Gähnen um eine Beschwichtigungsgeste handelt, die einen Konflikt vermeiden soll. Allerdings ist diese These umstritten. Und natürlich gähnen Hunde, genau wie wir, direkt nach dem Aufwachen, wenn sie sich strecken. Denn das Gähnen bewirkt eine Dehnung der Gesichtsmuskeln, entspannt sie und regt die Durchblutung an. Diese entspannende Wirkung nutzen Hunde vermutlich auch, wenn sie unter Stress stehen.

Auch Katzen entspannen ihre Muskeln mit dem Gähnen. Bei ihnen wird damit vermutlich auch Wohlbehagen ausgedrückt sowie Friedfertigkeit. Wenn Katzen in angespannten Situationen gähnen, kann das ähnlich wie bei Hunden eine Übersprungshandlung sein: Die Katze baut mit dem Gähnen ihre Anspannung ab.

Pferde können ebenfalls eindrucksvoll gähnen. Tun sie das häufiger, kann das Gähnen auch ein Ausdruck von Schmerzen sein. Besonders bei Magengeschwüren oder Koliken wird vermehrt gegähnt (manchmal auch geflehmt). Darum sollte ein häufig gähnendes Pferd auf andere mögliche Krankheitsanzeichen untersucht werden. Manchmal gähnen Pferde auch nach einer anstrengenden Arbeitseinheit als Zeichen der Entspannung. Auch bei physiotherapeutischen Behandlungen gähnen manche Pferde. Man vermutet, dass das Pferd dadurch eine Entspannung in den betreffenden Körperbereichen signalisiert.

Fest steht, Gähnen tut einfach gut. Meistens.

Schlagworte

  • Gähnen
  • Sauerstoffmangel
  • Gehirn

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