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Hundehalterhaftpflicht: Wo ist sie Pflicht?


Einmal weggeschaut und schon ist es passiert: Da hat der Dackel vor lauter Frust über die Nichtbeachtung seiner Person mal eben die Handtasche des Besuchs angeknabbert oder der Labrador haut vor lauter Freude mit dem Schwanz die teure Vase aus dem Regal.

Neben diesen kleinen, eher harmlosen Pannen können aber auch ganz schnell größere Unfälle mit Personenschaden entstehen: Der Terrier hängt plötzlich am Hosenbein eines ahnungslos vorbeikommenden Radfahrers oder die Dogge reißt mit einem Begrüßungssprung die alte Dame um. Verwirklichung der „spezifischen Tiergefahr“ nennt das der Gesetzgeber und meint damit, dass auch der liebste Hund plötzlich und ganz unerwartet reagieren kann und damit sich und seine Umgebung gefährdet.

In so einen Fall haftet nach § 833 BGB immer der Besitzer bzw. Halter des Hundes (es sei denn, es kann dem Geschädigten eine Mitschuld nachgewiesen werden). Denn er ist derjenige, der den Hund als „Luxus“ (im Gegensatz zum Nutztier) hält und auf die Umgebung loslässt. Schäden wie die oben genannten können dann richtig teuer werden. Darum wird für Hunde der Abschluss einer Hundehalterhaftpflichtversicherung empfohlen. In einigen Bundesländern ist sie mittlerweile sogar Pflicht.

Nochmal anders sieht es aus, wenn man einen Hund hält, der vom Gesetzgeber als „gefährlich“ eingestuft wird. Je nach Bundesland gelten verschiedene Kampfhundrassen als gefährlich sowie Hunde, auch anderer Rassen, die durch Ausbildung oder falsche Haltung aggressiv geworden sind oder bei denen durch bereits aufgetretene Zwischenfälle von einer erhöhten Gefahr ausgegangen werden muss. Für diese Hunde muss in der Regel eine besondere Erlaubnis zur Haltung erworben werden, die je nach Bundesland auch vom Abschluss einer speziellen Haftpflichtversicherung abhängig sein kann.

Wer muss nun wo was abschließen? Eine generelle Verpflichtung zum Abschluss einer Hundehalterhaftpflichtversicherung gibt es in Hamburg, Berlin, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt (für alle nach dem 1. März 2009 geborenen Hunde sowie für alle als gefährlich eingestuften Hunde, egal welchen Alters) und Thüringen.

Als gefährlich eingestufte Hunde müssen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, im Saarland, in Hessen, Bremen, Brandenburg und Sachsen mit einer Hundehalterhaftpflichtversicherung abgesichert sein. In der Regel ist hier die Erteilung der Erlaubnis zur Haltung eines als gefährlich eingestuften Hundes von der Vorlage dieser Haftpflicht abhängig. Die Mindestversicherungshöhe ist dabei von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Bayern kann die Erteilung einer Erlaubnis zum Halten von Kampfhunden vom Abschluss einer Haftpflichtversicherung abhängig gemacht werden.

In Nordrhein-Westfalen müssen neben den Haltern von als gefährlich eingestuften Hunden auch Halter von Hunden über 20 Kilo bzw. einer Widerristhöhe von mindestens 40 cm eine Hundehalterhaftpflicht abschließen. In Schleswig-Holstein ist am 01. Januar 2016 ein neues Hundegesetz - das „Gesetz über das Halten von Hunden“ (HundeG) - in Kraft getreten, dem nach Hunde nicht mehr aufgrund ihrer Rasse als gefährlich eingestuft werden. Die bisherige Rasseliste gefährlicher Hunde wurde dort abgeschafft: Kein Hund gilt mehr von Anfang an als gefährlich. Ein Tier wird künftig nur noch als „gefährlich“ eingestuft, wenn sich beispielsweise ein Beißvorfall ereignet hat oder das Tier anderweitig auffällig wurde.

Lediglich in Mecklenburg-Vorpommern besteht bisher keine Pflicht für eine Hundehalterhaftpflicht, auch nicht für Kampfhunde. Bei Fragen geben die örtlichen Ordnungsämter Auskunft.

Egal ob eine Pflicht zur Haftpflicht besteht oder nicht: Sinnvoll ist sie allemal. Denn wer weiß schon, wann der Dackel seinen nächsten Streich ausheckt?

Schlagworte

  • Hund
  • Hundehalterhaftpflicht
  • Bundesländer
  • Kampfhund

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