zurück zur Übersicht

Katzen sehen im Dunkeln - Mythos oder Wahrheit?

6

Wie eine Katze im Dunkeln sehen – das wünscht man sich oft, wenn man wieder einmal in totaler Finsternis nach dem Lichtschalter tappt oder sich schmerzhaft irgendwo stößt. Die Frage dabei ist: Können Katzen wirklich so gut im Dunkeln sehen, wie es die Legende behauptet? Und wenn ja, warum?

Katzen sind Jäger. Damit sie Erfolg in der Jagd haben, müssen sie sich an den Gewohnheiten ihrer Beute orientieren. Die klassischen Beutetiere der Hauskatze, die Mäuse, sind Tiere, die oftmals den Schutz der Dunkelheit nutzen, um auf Nahrungssuche zu gehen. Da macht es Sinn, dass auch Katzen, ähnlich wie Eulen oder Marder, gut in der Dunkelheit sehen können, um ihre kleine und schnelle Beute zu erwischen. Allerdings brauchen auch Katzen eine gewisse Menge an Restlicht, um sehen zu können, aber deutlich weniger als der Mensch. Ist überhaupt kein Licht vorhanden, kann auch eine Katze nichts sehen.

Das Auge der Katze ist aufgrund ihrer Entwicklung als teilweise nachtaktive Jägerin etwas anders konstruiert als das menschliche Auge. Das Auge von Wirbeltieren hat auf der Netzhaut sogenannte Fotorezeptoren. Das sind lichtempfindliche Zellen, die bei Erregung durch Licht einen Impuls an den Sehnerv weiterleiten. Diese Fotorezeptoren werden in Stäbchen und Zapfen unterschieden. Während die Zapfen Licht verschiedener Wellenlängen als „Farbe“ an das Gehirn weiterleiten, sind Stäbchen für das Hell-Dunkel-Sehen zuständig. Katzen haben auf ihrer Netzhaut wesentlich mehr Stäbchen als der Mensch. Das erklärt, warum sie nur etwa ein Sechstel der Lichtmenge des menschlichen Auges brauchen, um noch etwas zu sehen. Dafür haben sie weniger Zapfen, das Farbsehen ist bei ihnen daher weniger gut ausgebildet.

Und noch eine andere Konstruktion hilft ihnen beim Sehen im Dunkeln: Das sogenannte „Tapetum lucidum“ ist eine Zellschicht, die bei Katzen hinter der Netzhaut liegt. Wie ein Reflektor wird Licht, das an den Stäbchen vorbei gesaust ist, zurück geworfen und durchquert auf seinem Rückweg wieder die Netzhaut. Damit wird die „Lichtausbeute“ des Auges erhöht. Diese reflektierende Zellschicht sieht man übrigens, wenn im Dunkeln die Augen einer Katze angestrahlt werden: Sie leuchten kurz auf. Denn durch die weit geöffneten Pupillen der Katzenaugen dringt viel Licht auf das Tapetum und wird zurück geworfen, so dass dieses Aufblitzen auch vom menschlichen Auge wahrgenommen werden kann.

Bleibt die Frage, was so lichtempfindliche Augen bei vollem Sonnenlicht machen. Auch hier ist das Auge der Katze perfekt angepasst. Um die einfallende Lichtmenge zu reduzieren, wird die Pupille, die im Dunkeln weit geöffnet ist, schlitzförmig verengt.

Katzen sind also tatsächlich sehr gut an das Sehen im Dunkeln angepasst. Und falls ihre Augen mal nicht ausreichen, haben sie immer noch ihre Schnurrhaare und ihr Supergehör.

Schlagworte

  • Katzen
  • Sehen
  • Finsternis
  • Dunkel
  • Nacht
  • Mythos

Das könnte Sie auch interessieren:

Kommentare


  • Danke für diesen wunderbaren Artikel! Jetzt versteh ich meine Katze besser!


  • Hallo,

    das freut uns :-)

    Viele Grüße, das Redaktionsteam der Uelzener


  • Vielen Dank für den lehrreichen Artikel. Dennoch habe ich jetzt meinen Katzen ein Nachtlicht mit Bewegungsmelder über der Futterschale gegönnt. Ich finde es dort sehr dunkel nachts in der Küche. Vielleicht kaufe ich noch eines für das Klo. Finden Sie das sehr unsinnig? Ich habe mich bisher immer etwas geschämt, einfach das Licht zu löschen, wenn ich aus der Küche gehe aber sie gerade am futtern sind....

    .

     

     

     

     


  • Hallo Angela,

    letztendlich weiß jeder Katzenbesitzer selbst am besten, was gut für seine Samtpfote ist. Wenn Sie sich besser fühlen und Nachtlichter für Ihre Lieblinge installieren möchten, ist das doch völlig in Ordnung :-)

    Freundliche Grüße, das Redaktionsteam der Uelzener 

     


  • Ich bin kein Katzenbesitzer aber die Katze von unseren Vermietern kommt immer über das Garagendach auf den Balkon zu uns. Wenn es bereits dunkel ist, habe ich immer den Eindruck, dass Sie den Weg nicht wieder zurück findet. Sie schafft es das andere Ende des Garagendaches zu finden, springt dann aber nicht mehr auf die Bäume um runter zu klettern. Sie läuft im Kreis über das Dach. Dann Leuchte ich ihr mit einer kleinen Licht die Balkonbrüstung aus, die ist auch dunkel und fast nicht in der Nacht zu sehen, und dann springt Sie wieder zu uns rüber. Dann bring ich Sie immer über das Treppenhaus nach Hause. Kann es sein, dass Sie tatsächlich nichts mehr sieht oder führt sie mich nur an der Nase rum?

    Tagsüber läuft Sie den für sie üblichen Weg hin und her ohne Probleme wenn nicht gerade nen halber Meter Schnee auf dem Dach liegt.


  • Hallo Nicole,
    das ist aber eine niedliche Geschichte! :)
    Ob die Katze nichts sieht können wir natürlich schlecht sagen, da würde ich mal die Vermieterin fragen... Sie findet es aber bestimmt auch nett von dir nach Hause gebracht zu werden :).
    Freundliche Grüße, das Redaktionsteam der Uelzener

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Unter diesem Namen wird Ihr Kommentar veröffentlicht und gespeichert.
Mit einem * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder. Bitte füllen Sie sie aus.
zurück zur Übersicht

Sind Sie sicher, dass dieser Beitrag gelöscht werden soll?

Ja
Zur Website

Filtern

nach Zeitraum

nach Kategorie