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Mythos Katzenerziehung

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Katzen sind sture Einzelgänger und lassen sich nicht erziehen – oder etwa doch? Was an dem Mythos der unbelehrbaren Katze dran ist und wie Sie Ihre Kommunikation mit dem Stubentiger trotzdem stärken können, lesen Sie hier.

Katzen lernen gern und schnell. Warum also sollten die intelligenten Tiere nicht durch eine proaktive und achtsame Erziehung wichtige Dinge für das Zusammenleben mit uns lernen? Elementar dabei ist die richtige Herangehensweise. Das Hauptaugenmerk bei der Katzenerziehung sollte nicht darauf liegen, dass sie etwas NICHT machen soll. Vielmehr sollte eine junge Katze lernen, dass der Umgang mit Menschen Spaß macht und ein positives Verhalten Erfolg und Belohnung bringen kann.

Erziehung mit positiver Verstärkung

Zugunsten eines harmonischen Miteinanders ist es sinnvoll, ein Umfeld zu schaffen, in dem Verbote überwiegend unnötig sind. Katzen tun sehr viele Dinge einfach, weil Katzen sie tun. Abgewöhnen oder völliges Verhindern ist unrealistisch und meistens nur von Erfolg gekrönt, wenn man einen Knacks in der Beziehung zur Katze in Kauf nimmt. Viel sinnvoller ist es, einer Katze ein Lebensumfeld zu bieten, indem sie katzentypische Verhaltensweisen leben und dabei trotzdem brav sein kann.

Dazu gehören alle Arten von erlaubtem Unfug – zum Beispiel ausgiebiges Toben mit geeignetem Spielzeug oder das Klettern auf einen hohen Kratzbaum – und viele passive Sicherheitsmaßnahmen wie ein gesicherter Balkon und geschlossene Schränke, die Verbote unnötig machen. Zudem sollten Sie Ihr Augenmerk auf all jene Verhaltensweisen legen, die der Katze erlaubt sind, und diese positiv verstärken – mit einem Clicker oder Zungenschnalzer, Streicheleinheiten, einem Spiel oder Leckerbissen. Dann erübrigt sich das Verbieten und Sie haben einen Prozess des Erziehens kultiviert, der zu Erlaubtem hinzieht, statt Unerwünschtes zu bestrafen.

Was sollte die Katze lernen?

Mit einigen Übungen sollte jede Katze vertraut sein und sie stressfrei mitmachen. Sie sind selbst dann sinnvoll, wenn Sie keinerlei Ambitionen haben, mit Ihrer Katze an der Leine spazieren zu gehen oder ihr routinemäßig die Krallen zu kürzen – es geht vor allem um die grundsätzliche Erfahrung und Toleranz gegenüber dem Menschen.

Hier eine kleine Auswahl an Übungen, mit denen Katzen vertraut sein sollten:

  • Hochheben und Tragen
  • in eine Transportbox einsteigen
  • Kämmen und Krallenschneiden
  • Stillhalten, berührt oder fixiert werden für einfache Untersuchungen wie Augen, Ohren, Mund, Pfoten, Bauch, Temperaturmessen etc.
  • Tragen von Brustgeschirr und Leine
  • Eingeben von Tabletten
  • Zähne putzen

Neben diesen überwiegend körperlichen Aufgaben können Katzen natürlich noch viel mehr lernen:

  • ihren Namen und auf Rufen oder Pfeifen kommen
  • still sitzen und leise warten, wenn sie etwas wollen, beispielsweise Futter
  • die Namen diverser Aktivitäten und Ereignisse im Alltag, um sie ankündigen zu können, beispielsweise Warten, Essen, Einsteigen oder Tabletten geben

 

Ziele erreichen mit Target-Übungen

Um der Katze mit positiver Verstärkung bestimmte Verhaltensweisen beziehungsweise Signale beizubringen, bietet sich die Arbeit mit einem sogenannten Target an. Dafür brauchen Sie ein attraktives Futter, das Sie in klitzekleinen Portionen anbieten und ein prägnantes Geräusch, das Sie mit ihrem Mund machen – etwa mit der Zunge schnalzen.

Im Folgenden stellen wir zwei Target-Übungen vor, bei denen die Katze einerseits lernt, ein konkretes Ziel zu kontaktieren und andererseits, wie Lernen mit Menschen überhaupt funktioniert.

1. Nasen-Target

Beim Nasen-Target wird die Zeigefingerspitze eine Handbreit vor die Katzennase gehalten. Das hat bei so gut wie allen Katzen die gleiche Reaktion zur Folge – sie stupst den Finger mit ihrer Nase an, hat also das Ziel Fingerspitze kontaktiert. In diesem Moment machen Sie Ihren Zungenschnalzer und geben ihr sofort einen der kleinen Leckerbissen. Diese Übung wiederholen Sie so lange, bis die Katze nicht mehr mitspielt – meistens sind es zwei bis fünf Wiederholungen, die für die Katze ausreichen, um das Prinzip zu begreifen und es langweilig zu finden.

2. Sitzplatz-Target

Die zweite Übung mit einer ähnlich vorhersagbaren Katzenreaktion ist das Sitzplatz-Target: Katzen sitzen liebend gerne in kleinen Schachteln oder an definierten Orten wie einer Zeitung oder einem Handtuch, das am Boden liegt. Stellen Sie eine Schachtel auf den Boden und machen Sie Ihren Zungenschnalzer mit anschließender Belohnung, sobald die Katze hineinsteigt. Bei zögerlichen Jungkatzen kann man schon bei einer ersten Annäherung schnalzen und sie belohnen: Also wenn sie die Schachtel beschnuppert oder eine Pfote hineinsetzt. Alternativ kann man sie mit dem eben gelernten Nasentarget hineinlocken und dann belohnen.

Damit haben sie mehrere Übungen etabliert, auf denen alle weiteren Lernprozesse aufgebaut werden können:

  • Ein akustisches Signal, das der Katze punktgenau sagt, was sie jetzt gerade richtig macht und die kommende Belohnung verspricht;
  • einen Finger, mit dem die Katze gezogen werden kann und
  • einen definierten Platz, an dem die Katze sitzen kann, wenn sie etwas möchte.

Kommentare


  • Schön wäre es gewesen, wenn nochmal aufgegriffen wird, dass Katzen nicht alleine gehalten werden sollen. Vorallem Kitten nicht. Schade.


  • Hallo Van. Ni,

    vielen Dank für die Anmerkung! Wir glauben, da scheiden sich die Geister. Natürlich ist es schön, wenn eine Katze/Kitten einen möglichst gleichaltrigen Spielgefährten hat.

    Freundliche Grüße, das Redaktionsteam der Uelzener


  • Van.Ni hat Recht. Natürlich <i>kann</i> man Katzen allein halten - aber wenn sie die Gelegenheit bekommen, ziehen die allermeisten feline Gesellschaft dem Alleinsein vor. Wenn alle Feliden in einem Haushalt genug Platz haben, sich auch mal aus dem Weg zu gehen, ist es sehr interessant zu sehen, wie sozial und gruppenverträglich die so genannten Einzelgänger in Wirklichkeit sind. Gerade dann, wenn die Bezugspersonen tagsüber außer Haus sind, sind mindestens zwei Katzen der Einzelhaltung unbedingt vorzuziehen. 

    Außerdem machen zwei junge Kätzchen bedeutend weniger Unsinn als ein einzelnes - einfach, weil sie einander zum artgerechten Spielen und Toben haben. Dazu kommt, dass kein Mensch einer Katze die innerartliche Kommunikation korrekt beibringen kann. Auch dazu ist die Interaktion mit einem Artgenossen unbedingt die bessere Wahl. 

    Beides sind keine "steilen Thesen", sondern in vielen Jahren eigener und bei anderen beobachteter Katzenhaltung gemachte Beobachtungen. 


  • Hallo,

    vielen Dank für den ausführlichen Kommentar und deine Erfahrungen in der Katzenhaltung.

    Freundliche Grüße, das Redaktionsteam der Uelzener


  • Ich finde die Art des Schreibens der Redaktion sehr erfrischend.

    Warum gleich wieder die vermeintlich fehlenden Dinge benennen? Jeder kann sich für ausführliche Informationen ein Buch kaufen. Ich sehe diese schöne Abhandlung als Streifzug und Anregung.


  • Hallo Socke,

    vielen Dank für den freundlichen Kommentar. Wir freuen uns sehr, dass dir unser Beitrag gefällt!

    Freundliche Grüße, das Redaktionsteam der Uelzener


  • Ich finde die Beiträge super und werde sofort mit den Übungen beginnen. Danke

  • Hallo Happy,

    das freut uns sehr - viel Spaß dabei! :)

    Viele Grüße, das Redaktionsteam der Uelzener


  • Hallo, ich möchte gerne etwas erzählen zum Thema Katzenerziehung. Als meine Katze ein Jahr alt war, hatte ich sie schon lange an das Brustgeschirr gewöhnt. Ich wohne im Erdgeschoß und habe eine große Terrasse mit Garten drumherum? Ich bin mit meiner KatzeHappy ein Jahr lang, jeden Tag und bei jedem Wetter an der  Leine immer rundherum ums Haus und durch den Garten. Dann dürfte sie nach diesem Jahr alleine  losziehen und nun ist es so, dass sie sich einmal in der Stunde zeigt und um 18.00 Uhr kommt sie immer nachhause. Da kann ich mich 100% drauf verlassen. Also, man kann Katzen schon erziehen. Und ich muss sagen, dass ich schon bissi stolz auf auf meine Happy bin. 

    Viele Grüße 

    PETRA 

    ​​​​​​


  • Hallo Petra,

    vielen Dank für deine ausführlichen Erfahrungen bei der Erziehung deiner Katze.

    Freundliche Grüße, das Redaktionsteam der Uelzener


  • Hallo, ich habe 2 Kater und ich habe sie auch etwas erzogen. Sie kommen, wenn ich sie rufe, egal ob im Haus oder wenn sie draussen unterwegs sind, eigentlich immer sofort. Sie hören gut auf Ihre Namen. Nur was ich ihnen bis jetzt nicht abgewöhnen konnte, ist das ausbuddeln von Erde in den Blumentöpfen und das Kratzen an Möbeln. Zu meinem Leidwesen machen sie das auch bei den Nachbarn. Das macht ihnen so richtig Spass. Vielleicht hat ja einer eine Anregung wie ich ihnen das austreiben kann. Hab es schon mit Alufolie über dem Blumentopf probiert, aber das hat so schön geraschelt, das man da erst recht hin musste. Würde mich über einen Rat freuen.

     

    Liebe Grüße

    Angelika


  • Hallo Angelika,

    danke für deinen Kommentar.

    Vielleicht kannst du es neben den erzieherischen Maßnahmen mit Hausmitteln probieren, die du nur zeitweise an den Stellen positionierst, an die deine Kater nicht herangehen sollen, z.B. Zitronenschale, Pfeffer, Kaffeesatz...

    Viele Grüße, das Redaktionsteam der Uelzener


  • Vielen Dank für die informativen Seiten. Manchmal ist es doch ganz schön, wenn man noch einmal nachldesen kann, z.B. welche Pflanzen für Katzen giftig sind.

    Gern weiter so

    viele Grüße aus Berlin

    Carmen


  • Hallo Carmen,

    vielen Dank für Ihr positives Feedback zu unseren Blog-Beiträgen!
    Wir freuen uns, dass sie Ihnen gefallen!

    Liebe Grüße, das Redaktionsteam der Uelzener

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