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Foto: Antje Wolff

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Pferdetraining einmal anders Teil 3: Grundvoraussetzungen für die Arbeit am Langen Zügel


von Nicole Künzel
Foto:Antje Wolff

Die Arbeit am Langen Zügel wird nicht umsonst als die Krönung der Reitkunst bezeichnet, verlangt sie doch ein hohes Maß an Vertrauen zwischen Pferd und Mensch und ein in seinem Versammlungsgrad mindestens bis zur Klasse L gefördertes, auf feinste Hilfen vorbereitetes Pferd. Beherrscht Ihr Pferd zudem die Seitengänge, wird Ihnen das Geraderichten am Langen Zügel deutlich leichter fallen.

Da bei der Arbeit am Langen Zügel eine deutliche Hilfenminimierung in Bezug auf die Schenkel- und Gewichtshilfe stattfindet, sollte Ihr Pferd auf die leichtesten (Stimm-)Hilfen an der Longe, unter dem Sattel und bei der Arbeit an der Hand zuverlässig auf Ihre Anforderungen reagieren, beispielsweise auf einen Zungenschlag hin sofort antraben.

Gerade die Arbeit an der Hand dient dabei als eine gute Vorbereitung. Hier können Sie Ihr Pferd sehr genau in seinen Reaktionen, beispielsweise auf ein leichtes Touchieren mit der Gerte, beobachten. Es darf gegen diese keine Abwehrreaktionen oder eine Übersensibilität zeigen, da dies sehr gefährliche Folgen für Sie in der Position direkt an der Hinterhand des Pferdes nach sich ziehen kann. Selbst das artigste Pferd kann in einer, für es gefühlt, heiklen Situation ausschlagen, weshalb Sie Ihre Anforderungen nur sehr dosiert steigern sollten. Lassen Sie Ihr Pferd möglichst an seinen Hinterhufen unbeschlagen.

Als Ausrüstung benötigen Sie einen Langen Zügel ohne Stege aus Gurt- oder Ledermaterial, welcher mit Schnallen oder feststehenden Haken direkt am Trensenring befestigt wird. Bezüglich der Länge sollte bei anstehendem Zügel die aus den Händen herausragende Schlaufe circa 20 bis 30 Zentimeter betragen.

Eine Trense, mit englischem oder hannoverschen Reithalfter und ein einfach gebrochenes Gebiss, dient als Zaumzeug. Es empfiehlt sich eine einfach gebrochene Schenkel- oder Knebeltrense zu wählen, welche durch ihre beidseits angebrachten Stege für eine ruhige Lage des Gebisses im Maul des Pferdes sorgt. Die Gerte wird mit der Gertenspitze nach unten zeigend zunächst in der äußeren Hand getruagen und sollte an die Größe des Pferdes angepasst sein. Sie darf nicht auf dem Boden schleifen und sollte zudem nicht allzu flexibel sein, um ein versehentliches Berühren des Pferdes zu vermeiden.

Sie selbst sollten Handschuhe tragen, auf eine eng anliegende Kleidung und festes Schuhwerk achten, welches Ihre Knöchel bestenfalls ebenfalls stabilisiert und ein sicheres Mitgehen unterstützt.

Für Ihre ersten Einheiten sollten Sie einen sicher eingezäunten Reitplatz oder eine Reithalle mit möglichst ebenem, nicht zu tiefem Boden und einer ruhigen Arbeitsatmosphäre wählen.

Möchten Sie mit der Arbeit am Langen Zügel beginnen sollte Ihnen, gerade unter Sicherheitsaspekten, ein erfahrener Ausbilder mit Rat und Tat zur Seite stehen.

In der Grundposition befindet sich der Mensch schräg seitlich versetzt innen dicht an der Hinterhand des Pferdes. Die senkrecht getragenen Hände kommen bei der sogenannten breiten Zügelführung links und rechts neben der Schweifrübe zum Liegen, um eine ruhige Zügelverbindung zu gewährleisten.

Bei der engen Zügelführung werden die Hände direkt nebeneinander, auf der inneren oder äußeren Seite des Pferdes, je nach Lektion, positioniert. Möchte der Ausbilder beispielsweise ein Schulterherein einleiten, so führt er den äußeren Zügel in einer runden Bewegung über die Kruppe des Pferdes und positioniert die äußere Hand neben der inneren.

So leicht die Arbeit am Langen Zügel für den Betrachter scheinen mag, so hohe Anforderungen in Bezug auf Fitness und Geschicklichkeit stellt sie in der Realität an den Ausbilder. Für ein sicheres Mitgehen sollte er große Schritte schon mit Hilfe einiger Trockenübungen vorab trainieren. Denken Sie dabei daran, den Oberkörper und Ihre innere Schulter gut hinten zu belassen und groß und weit aus der Hüfte heraus nach vorne auszuschreiten.

Zu Beginn heißt es zunächst einmal, dass sich Pferd und Mensch an die neue Perspektive Schritt für Schritt gewöhnen müssen – lassen Sie sich Zeit, behalten Sie stets Ihr Ziel im wahrsten Sinne des Wortes im Auge und Sie werden sehen, wie viel Freude die Arbeit am Langen Zügel Ihnen beiden bereiten wird!

Ihre Nicole Künzel

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