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Pferdeweide im Herbst


Ist es sinnvoll, Pferde im späten Herbst noch auf die Weide zu lassen? Pferde sind Lauftiere und sollten sich immer ausreichend bewegen dürfen. Gerade wenn keine großen Ausläufe zur Verfügung stehen und die Pferde den Tag in kleinen Paddocks oder sogar in der Box verbringen müssten, ist Weidegang auch im Herbst essentiell für Gesundheit und Wohlbefinden.

Allerdings gibt es da auch einiges zu beachten. Ab Oktober, wenn es kühler wird, wächst das Gras langsamer. Untersuchungen haben ergeben, dass jetzt die Fruktangehalte in Gräsern erhöht sein können. Gräser bilden Fruktane als Reservekohlenhydrate, in denen sie Energie aus der Photosynthese speichern. Hohe Fruktangehalte entstehen, wenn viel Energie durch die Sonneneinstrahlung und die auf Hochtouren laufende Photosynthese zur Verfügung steht, diese Energie durch kühle Temperaturen und das langsamere Wachstum im Herbst aber nur nach und nach verbraucht werden kann. Die überschüssige Energie wird dann als Fruktan zwischengespeichert. Auch die Pflanzenart macht einen Unterschied: Besonders viel Fruktane scheinen sich in den Weidelgras-Sorten zu bilden, während andere Gräser wie das Knauelgras offenbar weniger Fruktane haben.

Der zweite Nachteil des langsam wachsenden Grases ist klar: Die Wiese wird sehr schnell kurz geknabbert. Hier ist besondere Vorsicht geboten, denn wenn Pferde beginnen, das Gras mit Wurzeln ausreißen, besteht durch die erhöhte Aufnahme von Erde die Gefahr einer Sandkolik. Eine kurz genagte Grasnarbe fördert zudem die Ausbreitung von unerwünschten Pflanzen wie Weißklee und Hahnenfuß, zum Nachteil der Gräser. Drittens verspüren Pferde im Herbst ein erhöhtes Wanderbedürfnis auf der Suche nach neuen Weidegründen, besonders wenn die heimische Weide nicht mehr viel bietet. Als Folge – das kennt jeder Pferdebesitzer - entwickeln Pferde, die sich langweilen, eine ungeheure Kreativität bei ihren Ausbruchsversuchen, manchmal mit sehr unangenehmen Folgen.

Sollen die Pferde also auch im Spätherbst noch auf die Koppel, ist es sinnvoll, ihnen zusätzlich Heu anzubieten. Durch diese „Unterlage“ verschwindet der erste Heißhunger. Die Pferde knabbern weniger intensiv, das schont die Grasnarbe und verringert dadurch auch die Aufnahme von eventuell hohen Fruktangehalten. Zudem sind die Pferde beschäftigt und lassen mit vollem Magen eher den Weidezaun in Ruhe. Kommen die Pferde stundenweise auf die Koppel, ist die beste Zeit am Nachmittag, nach einem ausgedehnten „Heufrühstück“. Abgefressene Weiden sollten rechtzeitig geschlossen werden, das heißt, bevor sie auf „Golfrasenlänge“ abgeknabbert wurden. Weidehygiene durch tägliches Absammeln der Kothaufen und die regelmäßige Kontrolle der Zäune und stromführenden Litzen verstehen sich auch im Spätherbst von selbst. So können die letzten schönen Tage des Jahres auf der Weide entspannt genossen werden.

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