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Schmerz lass nach


Rückenschmerzen sind bei Menschen eine wahre Volkskrankheit. Untersuchungen der Krankenkassen ergaben, dass rund ein Drittel aller Krankheitstage inzwischen darauf zurückgeführt werden können. Die häufigste Ursache für Rückenschmerzen sind Muskelverspannungen oder Fehlhaltungen. Hier lässt sich die direkte Parallele zu den Reitpferden ziehen, denn auch bei Pferden werden häufig Rückenprobleme beobachtet. Diese resultieren in vielen Fällen aus:

  • fehlerhaftem Reiten, das zu einer mangelhaften Ausbildung der benötigten Muskulatur führt
  • zu frühem, nicht durchdacht aufgebautem, falschem oder zu intensivem Training
  • unpassender Ausrüstung (vor allem Sättel)
  • schlechtem Hufbeschlag

Meist äußern sich Rückenschmerzen bei Pferden durch Rittigkeitsprobleme. Die Pferde drücken den Rücken weg, halten sich im Rücken fest, gehen gegen die Hand. Sie springen im Galopp häufig um, zeigen verminderten Raumgriff oder Taktstörungen. Im schlimmsten Fall wehren sich die Pferde durch Buckeln oder Steigen gegen den Schmerz. Wohl dem Pferd, dessen Reiter frühzeitig erkennt, dass etwas nicht stimmt und nicht erst einmal mit Druck, Hilfszügeln oder schärferen Gebissen versucht das Problem zu lösen.

Oftmals äußern sich Rückenprobleme schon vor dem Reiten. So reagieren die Pferde teilweise bereits beim Putzen durch unwilliges Schweifschlagen oder zeigen Abwehrreaktionen beim Satteln. In schlimmeren Fällen drücken sie deutlich den Rücken weg und machen Ausweichbewegungen.

Es liegt in der Natur der Dinge, dass 55% des eigenen Körpergewichts des Pferdes auf der Vorhand und nur 45% auf der Hinterhand lasten. Zur zusätzlichen Belastung der Vorhand und damit auch der Brustwirbelsäule kommt das Reitergewicht. Wenn das Pferd nicht „über den Rücken“ geritten wird oder der Sattel nicht optimal passt, sprich die Bewegungsfreiheit der Schultern und des Widerrists nicht gegeben sind, bzw. das Pferd den Rücken durch einen unpassenden Sattel gar nicht erst aufwölben kann, beginnt ein Teufelskreis. Es wird unmöglich sein, das Pferd nach den Punkten der Ausbildungsskala so zu arbeiten, dass es die so dringend benötigte Muskulatur korrekt aufbauen kann. Daraus resultieren weitere Rückenschmerzen, Verspannungen, Fehlhaltungen etc. und die Tatsache, dass falsches Reiten den Rücken des Pferdes langfristig schädigt festigt sich. Richtiges Reiten und korrekte Gymnastizierung etwa an der Longe führt zu gezieltem Muskelaufbau und kräftigt den Rücken. Der beste Weg für einen stabilen Rücken führt über die gute Bauchmuskulatur, die dafür sorgt, dass der Pferderücken sich überhaupt aufwölben kann. Durch das Aufwölben der Wirbelsäule entfernen sich die Wirbelkörper voneinander. Ein Wegdrücken des Rückens führt genau zum Gegenteil. Die klassische Reitlehre zielt in ihrem systematischen Aufbau genau darauf ab, dass ein gut ausgebildetes Pferd die Hinterhand vermehrt unter den Schwerpunkt schiebt und so den Rücken aufwölbt und vermehrt Last aufnimmt. Dies erst ermöglicht es dem Pferd die richtige Muskulatur zu stärken und den Reiter ohne Folgen zu tragen.

„In den letzten Jahren konnten wir eine leichte Steigerung der Rückenprobleme bei Reitpferden im Bereich der Pferdekranken-Vollversicherung beobachten“, so der Gesellschaftstierarzt der Uelzener Versicherungen, Dr. Karl-Heinz Salzbrunn.

Untersuchungen ergaben, dass Rückenbeschwerden beim Reitpferd meist durch mangelhafte Ausbildung entstehen. In den seltensten Fällen führen vom Reiten unabhängige physiologische Ursachen zu Rückenprobleme. Seit einigen Jahren ist das „Kissing Spine Syndrom“ in aller Munde und dieses wird auch sehr häufig als Ursache für Probleme herangezogen. Es handelt sich um eine orthopädische Erkrankung des Pferderückens, bei dem Brust und Lendenwirbel und die darum liegenden Muskeln, Sehnen und Bänder betroffen sind. Wenn von Kissing Spines die Rede ist, so ist gemeint, dass sich die Dornfortsätze der Wirbel berühren, was am häufigsten im Bereich der Sattellage (vom 12. bis 18. Brustwirbel) geschieht. Ist dies der Fall, so kommt es zu entzündlichen, schmerzhaften Prozessen an den Dornfortsätzen und den darum liegenden muskulären Strukturen und das Pferd hat starke Schmerzen. Eine Reihenuntersuchung an der Tierklinik Telgte zeigte jedoch, dass bis zu 91,5 % der rückengesunden Warmblutpferde an den Dornfortsätzen normabweichende radiologische Befunde aufweisen, aber keine Beschwerden zeigen. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Neigung zu Kissing Spines nicht zwingend zu Beschwerden führen muss.

„Dennoch haben wir vereinzelt Fälle, in denen hochgradige Veränderungen an den Dornfortsätzen, im Sinne von Kissing Spines, zur dauernden Unbrauchbarkeit der Pferde führen“, erklärt Dr. Karl-Heinz Salzbrunn, „Aber es ist mit Sicherheit keine so häufige Ursache wie chronische Erkrankungen der Sehnen und Bänder, wie zum Beispiel  Fesselträgerschäden.“

Generell lässt sich festhalten, dass es unabdingbar ist, sein Pferd gut auszubilden und zu gymnastizieren um den Muskelaufbau so ideal wie möglich zu fördern. Neben dem Sicherheitsaspekt, der auch nicht in Vergessenheit geraten darf, ist eine solide Ausbildung für Pferd und Reiter essentiell, möchte man mit dem Partner Pferd viele Jahre eine gesunde und unbeschwerte Zeit erleben.

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